16.04.2013
Kategorie: B-Plan 065/2012
von: Carmen Diening

Anregungen, Hinweise und Bedenken einer Anwohnerin


Im Rahmen der Beteiligung der Öffentlichkeit gemäß § 3 Abs. 2 BauGB an der Aufstellung des B-Plans 065/12 "Wohnen an der Eisenbahnstraße" - abgegeben am 16.04.2013 bei der Stadtverwaltung Werder (Havel).

Stadtverwaltung Werder (Havel)
z. Hd. Herrn Enke
Eisenbahnstraße 13/14
14542 Werder (Havel)

16.04.2013

Bebauungsplan 065/12 "Wohnen an der Eisenbahnstraße"
Hier: Anregungen, Hinweise und Bedenken

Als südlich angrenzende Nachbarn zum o. g. Plangebiet sind wir direkt betroffen und möchten folgende Anregungen, Hinweise und Bedenken abgeben:

Grundsätzlich erscheint die Feststellung, beim Bebauungsplan 065/12 "Wohnen an der Eisenbahnstraße" handele es sich um ein Bebauungsverfahren nach § 13 a BauGB, also eine Planung im beschleunigten Verfahren ohne Durchführung einer Umweltprüfung und mit nur einer einstufigen Öffentlichkeitsbeteiligung, fehlerhaft. In der Begründung vom 15.10.2012 wird vorgerechnet, dass nicht die gesamte zu versiegelnden Flächen addiert wurden, sondern nur die überbaute Gebäudefläche, womit man unter die entscheidende Größe von 20.000 qm kommt!
Ingesamt handelt es sich hier (Wohnen und SO-Gebiet) um ein Vorhaben, das eine Umweltverträglichkeitsprüfung auslösen müsste, in dessen Rahmen die unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen auf die umweltbezogenen Schutzgüter ermittelt werden müssen.
Das Plangebiet wird fehlerhaft als faktisches Mischgebiet angesehen, wohingegen es sich aber um ein allgemeines Wohngebiet handelt. Das Sondergebiet verletzt uns Anwohner in dem Gebietserhaltungsanspruch.

Das zukünftige Wohngebiet liegt in zentraler Lage des Stadtgebietes. Jedoch erscheint der ausgelegte Bebauungsplan als eine isolierte Inselplanung. Es wird stadträumlich in unzureichender Art und Weise auf den Bestand an Wohnbebauung in der Eisenbahnstraße sowie auf die stadtstrukturell vorgegebene Situation eingegangen. Örtliche und regionale Eigenarten des Plangebietes und seiner Umgebung werden vernachlässigt bzw. planerisch nicht behandelt bzw. sind aus den vorgelegten Planunterlagen nicht erkennbar. Eine integrierende städtebauliche Konzeption mit konkreten Zieldefinitionen, städtebaulichem Entwurf und detaillierten Aussagen fehlt. Nur die schematisch gezeichneten Baufelder und die Grenzen des Geltungsbereiches sind nicht ausreichend.

Der geplante "Nahversorgermarkt-Eisenbahnstraße" (SO-Gebiet), der Aufstellungsbeschluss exisitiert und das Verfahren läuft, wird in der Begründung zwar erwähnt, findet aber keinen Eingang in die schalltechnische Untersuchung vom 09.10.2012. Folglich ist der im neuen Wohngebiet zu erwartende Verkehrslärm des in unmittelbarer Nachbarschaft entstehenden SO-Gebiets (großflächiger Einzelhandel) mit hohem Stellplatzangebot und Lieferverkehr hätte in die schalltechnische Untersuchung miteinbezogen werden müssen.

Obwohl inzwischen schon das gesamte, stark durchgrünte und zum Teil mit großen Obstbäumen bestandene Plangebiet dem Erdboden gleich gemacht wurde, sind in der geplanten Zufahrt (Eisenbahnstraße/"Schwarzer Weg") noch zwei große Bäume, die planungsrechtlich festgesetzt werden sollten. Dieses Erfordernis wird nach dem Kahlschlag in der Eisenbahnstraße im November 2012 hier jetzt nicht näher begründet. Jedoch gibt es in dem Bereich keinen Lebensraum für Vögel und Kleintiere mehr. Die Zufahrtstraße könnte einen gestalterisch sensibleren Verlauf nehmen und die beiden letzten Bäume gut einbinden.

Darüber hinaus ist nicht nachvollziehbar, warum eine der wenigen jungen Linden (siehe Foto), die beim Straßenausbau der L90 erhalten werden konnten, nun auch gefällt werden soll. Es ist nicht zwingend, dass der Weg direkt dem vorhandenen Fußweg im Linienverlauf folgt. Dies mag privat für den Investor die beste Lösung (preiswert) sein, aber nicht für die Öffentlichkeit.

Linde Nr. 98, Eisenbahnstraße 91/"Schwarzer Weg"

Fazit:

Ich möchte daran erinnern, dass das Gebot gerechter Abwägung verletzt wird, wenn der Ausgleich zwischen den von der Planung berührten öffentlichen Belangen in einer Weise vorgenommen wird, die zur objektiven Gewichtigkeit einzelner Belange außer Verhältnis steht.
Um die genannten Widersprüche und Bedenken abzuklären, hält die Unterzeichnerin die Erarbeitung einer städtebaulichen Untersuchung und Abgleich mit der aktuellen Bestandssituation und aller geplanten Bauvorhaben für das Gesamtgelände für unumgänglich.
Ich bitte um eine schriftliche Eingangsbestätigung, dass diese Hinweise und Bedenken bei Ihnen fristgerecht im Rahmen der öffentlichen Auslegung gem. § 3 Abs. 2 BauGB eingegangen sind. *

Carmen Diening

 

* weitere Informationen und auch Fotos zum o. g. Plangebiet finden ich im Blog "Die Linden der anderen in der Straße der anderen" am 17.03.2013


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"Die Linden der anderen
in der Straße der anderen"

 Im Blog von Cornelia Thömmes finden Sie viele Hintergrundinformationen.
Vielen Dank für die Zusammenstellung der Infos!!!

www.die-linden-der-anderen.de

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